Centuries - Ein Klavierabend


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das Projekt



Wie es begann


Es begann im Frühjahr 2007 mit einer Improvisation, der ich den Titel "centuries" gab. Davor hatte ich an meinem ersten Programm "Styx. A Long Journey" gearbeitet, meinem ersten Programm aus Eigenkompositionen.
Die Entstehung von "Styx" war eine interessante Erfahrung für mich.Zwar hatte ich immer Musik in mir, die ich eines Tages komponieren wollte, aber irgendwie kam es nie richtig dazu. Im Herbst und Winter 2006 geschahen jedoch Dinge in meinem Leben, die eine sehr kreative Phase auslösten. Innert kürzester Zeit entstand ein sehr dramatisches Programm. Ich war so sehr involviert in diesen Prozess, dass es sich wie etwas Existenzielles anfühlte. So sagte ich manchmal, ich komponiere "existenzielle Musik"
Nun jedoch, mit dieser Improvisation "centuries" (die als zweites Stück des Programms erscheint) wurde etwas anders. Ich hielt die übergrosse Dramatik, den Tumult und Kampf, der zu "Styx" geführt hattte, nicht mehr aus und strebte zu einem Punkt des Überblicks, als wenn ich auf einen Berg stiege und die ganzen Dramen, Emotionen und Abgründe des Lebens von einer mehr neutralen Warte als Beobachter betrachtete. Weitere Stücke in diesem Stil entstanden. Später erinnerte ich mich an dieses Gedicht, das ich einmal in der Schule gelernt hatte. Ein ewiger Wanderer, der alle 500 Jahre an denselben Ort zurückkehrt und sieht wie sich die Dinge dort inzwischen verändert haben. Das war genau die Grundstimmung die ich brauchte. Also: erst war die Musik da und dann fand ich das entsprechende Gedicht dazu. Ich versuche auch, in meinem Programm der Gestalt des Chidher noch etwas näher zu treten. Neue Episoden erscheinen, die nicht in dem Gedicht enthalten sind. Zum Beispiel findet er eines Tages an demselben Platz einen rätselhaften Berg. Und ein oder zwei Mal läuft er tatsächlich Gefahr seine weise Distanz zu verlieren und gerät in eine gewisse Dramatik hinein.

Wie ich arbeite


Nun, ich improvisiere sehr oft. Ich nehme das auf was ich spiele und arbeite dann mit dem aufgenommenen Material. Viele verschiedene Dinge können inspirierend sein für eine Improvisation, wie ein Natureindruck, ein interessantes Gespräch mit einem Freund, Gedanken über das Leben und nicht zuletzt die Musik selbst. Als wären da zwei verschiedene Zimmer, eines mit bekannten, das andere mit unbekannten Einflüssen und Elementen. Manchmal gehe ich in das Zimmer mit den unbekannten Eindrücken und manchmal in das andere. Ein bekanntes Element kann zum Beispiel ein musikalisches Motiv sein, das mir irgendwann eingefallen ist. Ich spiele es, folge seinem Weg, es entwickelnd, es variierend, finde andere Motive, welche dazu in Kontrast stehen. Ein unbekannter Eindruck kann zum Beispiel eine unerwartete Erfahrung oder Begegnung sein, die mich überrascht und herausfordert, von der ich zwar nicht so recht weiss was daraus werden wird, aber der ich irgendwie entgegnen muss. Manche dieser Eindrücke und Quellen der Inspiration sind in einem dritten Zimmer, dem "Depot", wo sie weiter wachsen können für spätere Projekte.

Ich bin nicht jemand der sich sagt:"So jetzt setze ich mich hin und komponiere ein Stück oder ein Programm. Ich mache viel "Brainstorm" und das bedeutet, ich habe eine grosse Menge an aufgenommenem Material. Mit der Zeit kristallisieren sich daraus Gruppen von Stücken die stilistisch und stimmungsmässig zusammenpassen. Daraus treffe ich für ein endgültiges Programm eine Auswahl. Zum Beispiel habe ich eine grosse Kollektion von Stücken, die stimmungs-und stilmässig zu "Styx" oder zu "centuries" gehören, die aber nicht im endültigen Programm erscheinen. Mit diesem Material kann ich natürlich zu einer anderen Zeit den ganzen Prozess wieder von vorn beginnen. Die Arbeit mit vergangenem und gegenwärtigem Input verdichtet sich im Arbeitsprozess zu einer Art "realen Zeit", die mehr ist als die gewöhnliche Zeit, wie überhaupt Musik eine Kunst der Zeit und der verschiedenartigen Wahrnehmung von Zeit ist




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